„Uhu Bärbel und doppelt Sahne“

Mit Bärbel dem sibirsischen Uhu durch den Wald.

Vereinzelte orangene Lichtpunkte durchdringen den dichten Wald der an dieser Stelle aus einem Großteil jungen Birken besteht. Bärbel sitzt fest auf meinem Arm, die Krallen ihrer Fänge spüre ich deutlich. Der Kopf mit den großen leuchtend orangenen Augen blickt sich aufmerksam aber ruhig um. Bärbel ist ein sibirischer Uhu.

Diese Uhuart ist die größte mit einer Spannweite von ca. 1,70m bis 1,80m. Sie sind Grifftöter, das bedeutet sie packen ihre Beute mit ihren kräftigen Fängen und drücken diese schraubstockartig zu. Einen ausgewachsenen Fuchs tötet dieser Griff in drei Sekunden. Ob sie eine oder zwei Sekunden mehr für einen Labrador bräuchte weiß ich nicht und ich will es jetzt auch nicht ausprobieren. Zum Glück ist die Spaziergängerin die uns entgegenkommt aber vernünftig, sie hat ihren Labrador an der Leine und macht einen Bogen um uns.

Leuchten!

Es ist unser vierter oder fünfter Besuch innerhalb von knapp zwei Jahren bei Tanja der Falknerin die mit ihren Bildern von ihrem belgischen Schäferhund „Ingo“ und ihrem Steinkauz „Poldi“ mittlerweile weltberühmt ist. Sie ist bescheiden, tut ihren Erfolg etwas ab und bildet sich auch nichts darauf ein. Aber trotzdem, sie erhält internationale Preise und ihre Bilder werden in Magazinen von Nordamerika bis China gedruckt.

Mit „Ingo“ und „Poldi“ zum Welterfolg. Quelle: Tanja Brandt – www.ingoundelse.de

Wir lassen den Wald hinter uns und betreten eine Wiese mit kniehohem Gras. Tanja sucht mit ihrer Nikon und dem Hammer-genialen 300mm 2,8 Objektiv eine gute Position. Ich nehme den Falknerhandschuh ab damit man das sieht wovon wir Bilder machen wollen. Das Tattoo von Bärbel auf meinem linken Unterarm zusammen mit der lebendigen Vorlage 😉

Der Uhu krallt sich nun auf die nackte Haut meines rechten Arms und Tanja schickt uns etwas von links nach rechts bis der Hintergrund passt.

Bärbel entdeckt scheinbar etwas am Waldrand das ihr nicht passt. Sie will von meinem Arm losfliegen, ich halte sie jedoch fest und mache den Fehler mit der linken Hand nachzugreifen um sie wieder auf meinen Arm zu setzten. Kurzer brennender Schmerz, eine einzelne Kralle hat meine Hand gestreift. Glück gehabt, nur die oberste Hautschicht ist von der beiläufigen Bewegung aufgerissen. Ein ca. zehn Zentimeter langer Riss ist nun in meiner linken Handinnenfläche. In fünf Tagen ist er schon wieder vollständig verheilt. Weitaus schneller als der Biss eines Erdmännchens…

Außenseite meines linken Unterarms. Zu sehen ist eine Seitenansicht von Bärbels-Kopf. Schwarzer Schnabel, orangenes Auge und ihre „Ohrfedern“ stechen hier klar hervor.

Bärbel sitzt wieder brav auf meinem Arm und Tanja macht noch ein paar Bilder mit Lisa zusammen. Danach laufen wir wieder durch den dichten Wald zurück in die Falknerei und versorgen dort Tanjas Greifen.

„Da fliegt doch was“ – Bild Tanja Brandt

Im Anschluss geht es in die Eisdiele mitten im „schönen Remscheid“ oder ist es Wuppertal? Ich kann es nicht auseinanderhalten. Hier fährt man ein und dieselbe Straße entlang und passiert dabei dreimal das Ortsschild „Remscheid“ und zweimal „Wuppertal“, als Würzburger bin ich damit überfordert. Egal Navi wird’s schon richten.

Tanja gibt in der Eisdiele die gleiche Bestellung wie in den letzten zwei Jahren auf:„Vier Kugeln Erdbeer mit doppelt Sahne bitte, wegen der Diät.“ 😉

Tanja mit Bärbel im hohen Gras.

Der Ameisenbärendrache

Der Schwanz des „Ameisenbärendrachens“

Die Sonne steht weit im Westen und bereits so tief, dass mir die Krempe meines Hutes kaum mehr Schutz bietet. Es ist windig, die Vegetation ist dicht für die Jahreszeit und wir suchen die Nadel im Heuhaufen.

700 km² also 70 000 Hektar ist das private Wildtierschutzgebiet „Erindi“ groß. Da kann man schon mal an einer ganzen Elefanten Herde in 100 Meter Entfernung vorbeifahren und diese nicht bemerken.Das Tier das wir jedoch suchen ist gerade mal 40 – 80 cm lang und gut getarnt. Unsere einzige Chance ist es mit Hilfe eines kleinen Peilsenders zu finden den es bei sich trägt. Aber dieser hat nur eine geringe Reichweite und selbst wenn wir ein Signal finden würden heißt das lange noch nicht das wir auch das Tier finden.

Aber von welchem Tier schreibe ich hier überhaupt? Es ist eines der seltensten Säugetiere das man im südlichen Afrika suchen kann. Eines der unerforschtesten, eines der gefährdetsten, eines der faszinierendsten und skurrilsten.
Wenn ich es kurz beschreiben sollte würde ich sagen es ist ein Mischung aus Ameisenbär und einem kleinen Drachen – ein Ameisenbärendrache, ja das wäre meine Beschreibung.

Der englische Name, der mir auch gut gefällt ist „Pangolin“, der deutsche Name ist mehr eine Bezeichnung, eine unpersönlich klingender Name „Schuppentier“. Nicht zu verwechseln mit dem Gürteltier. Aber wie gesagt der Ameisenbärendrache verdient einen wohlklingenden Namen und deshalb werde ich den englischen verwenden – Pangolin.

Und dieses Pangolin suchen wir. Gerade mal zu Dritt in dem großen olivenen Land Rover der mich mit seinen Fahreigenschaften an den ein oder anderen Radpanzer meiner Militärzeit erinnert.

Der Guide Warren, Lisa und ich. Warren ist der Pangolin Spezialist auf Erindi. Keiner hat hier soviel Pangolins gesichtet wie er. Es gibt ein regelrechtes Ranking unter den Guides wer wie viele Pangolins in seinem Leben gesehen hat oder ob er überhaupt mal eins gesehen hat.

Wir fahren am späten Nachmittag los da Pangolins nacht- dämmerungsaktiv sind. Wir fahren erst mehr als eine halbe Stunde durch Buschland auf den höchsten noch zu befahrenden Berg – den „Officehill“. Der Ausblick ist atemberaubend. Buschland bis an den Horizont gelegentlich durchbrochen von kleinen Hügelketten oder massiven Bergen in weiter Ferne. Warren steigt aus, baut die Antenne für den Peilsender zusammen und klettert noch etwas höher.

Auf dem „Officehill“

Bis er zurückkommt nutze ich die Zeit um ein paar Bilder zu machen. Als er dann zurückkommt schüttelt er mit dem Kopf. Kein Signal. Wir müssen es anderswo probieren. Er verrät uns, dass die letzten drei Versuche das Pangolin zu finden leider erfolglos waren. Wir versuchen es natürlich weiter. Wir fahren den abenteuerlichen „Officehill“ wieder herunter um nach 20 Minuten Fahrt auf einer anderen Felsformation es erneut zu probieren.

Diesmal fängt er ein schwaches Signal in westlicher Richtung ein. Zwar schwach aber ein Signal!

Leider heißt das nicht automatisch, dass wir es auch finden. Es könnte sich z.B. in völlig unwegsamen und unerreichbarem Gebiet aufhalten, sich in eine Höhle unter der Erde zurückgezogen haben oder der Sender ist an ein Raubtier verloren gegangen das versucht hat das Pangolin zu knacken.

Raubkatzen wie z.B. Löwen oder Leoparden, Wildhunde und Greifvögel haben keine Chance die Rüstung aus sich überlappenden Panzerschuppen zu brechen wenn es sich eingerollt hat. Nur die Hyänen, die die stärkste Beißkraft in der ganzen Tierwelt besitzen, könnten es schaffen.

Aber von was ernährt sich eigentlich so ein Pangolin? Ameisen, sehr viele Ameisen! Pro Streifzug in der Nacht fängt es mit seiner 30 – 60 cm langen Zunge ca. 300 000 Ameisen. Das entspricht einem Gesamtgewicht von etwa 1 kg Ameisen und das bei einem Eigengewicht von 8 – 35 kg.

Wir machen den nächsten Halt, erneute Signalprüfung. Da ist es, das stetige Piepen. Ein deutliches Signal Richtung Norden, doch dahin führt kein Buschpfad mehr. Also querfeldein durchs Buschland. Das Piepen wird lauter und die Abstände zwischen den Tönen geringer. Wir halten immer wieder an um die Richtung zu kontrollieren und noch ist die Sonne noch nicht untergegangen. Ich hoffe sehr, dass wir das Pangolin finden, wenn das im Tageslicht wäre wäre es umso perfekter da ich dann sogar noch ein paar Fotos machen könnte.

Warren der bisher immer sehr konzentriert wirkte hält erneut im Buschland an und steigt aus. Er läuft ein Stück und kommt nach zwei Minuten zurück. Grinsend von einem zum anderen Ohr. „Du hast ihn gefunden???“ frage ich aufgeregt. „Ja“ antwortet er noch immer grinsend. „Gleich da hinten liegt er unter einem kleinen Baum und schläft. Nicht in einer Höhle sondern im Freien.“ JA! Was für ein Glück! Wir steigen aus und laufen mit dem sich immer noch sichtlich freuenden Guide durch den Busch.

 

Pangolin, das kleine Gesicht (nicht sichtbar) am Boden unter den Panzerschuppen. So schläft es sich sicherer.

Und plötzlich vor uns liegt gut getarnt ein kleiner Fels, der keiner ist. Ein Fels der aus Panzerschuppen besteht. Das klitzekleine Gesicht zum Schutz am Boden und durch die Panzerschuppen des Oberkörpers versteckt. Es ist ein faszinierender Anblick und ich bin ganz aufgeregt.

Warren holt den Wagen etwas näher und verkündet über Funk stolz den anderen Guides dass wir das kleine Fabeltier gefunden haben. Ich mache derweil Nahaufnahmen von den wunderschönen Panzerschuppen als ich plötzlich etwas höre. Ein leises doch tiefes atmen mit gelegentlich zufriedenen Seufzern. Das erinnert mich sofort an unseren Kater Zuhause! So hört sich Peter unser Kater an wenn er tief schläft und träumt. Ich frage Lisa und Warren ob sie das auch hören. Der Guide kommt näher, so das wir beide nur noch zwanzig Zentimeter mit unseren Ohren von ihm entfernt sind. „Ja unglaublich“ sagt Warren, „Er schnarcht, das habe ich noch nie zuvor gehört!“

Wie genial ist das denn?! Ich bin sofort verliebt in den Armeisenbärendrache der Geräusche wie unser Kater macht.

 

Der kleine schnarchende Pangolin und ich – sein neuer und begeisteter Fan!

Mittlerweile hat es sich unter den Guides herumgesprochen und sie versuchen ihre Gäste zu überzeugen, dass sie dieses faszinierende Tier einer Suche nach einem Elefanten oder Löwen vorziehen sollten. Aber offensichtlich können viele mit einem Pangolin nichts anfangen und einfach zu finden sind wir mitten im Busch abseits der Wege auch nicht. Leider ist es so, dass der Duchschnitts-Safarigast denkt eine Safari besteht daraus möglichst viele der „Big Five“ zu sehen und wenn ein Tier nicht besonderes laut oder groß ist ist es nichts Besonderes. Sie wollen lieber Elefanten oder Löwen sehen und das am besten innerhalb eines Tages. Arme Guides, ich würde bei soviel Ignoranz und unbelehrbarer Dummheit völlig eskalieren.

Aber wie außergewöhnlich ist es denn ein Pangolin in der Wildnis zu sehen? Warren, seit 9 Jahren Guide auf Erindi, hat darauf eine deutliche Antwort:

„Von einer Millionen Touristen die den Krüger Nationalpark besuchen sieht ein einziger davon (evtl.) ein Pangolin.“

300.000 Ameisen täglich… faszinierend.

Grund für ihre Seltenheit ist auch bei diesem Tier mal wieder der Mensch. Die Preise sind extrem hoch, der illegale Handel mit Pangolins oder Teilen von ihnen wird sogar noch höher bestraft als der mit dem Horn des Nashorns.
Hauptabnehmer mit über 90 % auf dem Schwarzmarkt ist wieder China.

Ich habe ein extrem schwieriges Verhältnis zu China. Das hängt zum einen mit meinen Erfahrungen auf der Nashornauffangstation in Südafrika zusammen (LINK zum Beitrag) zum anderen mit diversen negativen Begegnungen mit Chinesen. Das führt dazu, dass ich mittlerweile eine massive Ablehnung gegenüber der chinesischen Kultur habe die mir persönlich als die respektloseste gegenüber der Natur und den Tieren auf dieser Welt erscheint.

Der kleine Ameisenschreck ist mittlerweile aufgewacht und rollt sich nun ein. Für drei Sekunden kann ich sein kleines spitzes Gesicht mit den Knopfaugen sehen.

Die Sonne verschwindet hinter dem Horizont und wir beschließen wieder zu fahren, dann kann der Pangolin in Ruhe auf seinen nächtlichen Streifzug gehen.

Als wir den Land Rover wieder besteigen hat sich der Wind gelegt und ich habe meine Lieblingstiere, die aus verschiedenen Katzenarten bestehen, nun um eine Nicht-Katzenart erweitert. Naja immerhin hört es sich wie eine Katze an, wenn es schläft.

 

Swakopmund zwischen Namibwüste, Atlantik, Kaiser und Karsten

Das Wahrzeichen Swakopmunds im Sonnenuntergang, der Leuchtturm von 1902.

„Es ist echt wie in Deutschland, da musst du hin“. Das hörte ich im Frühjahr 2015 als ich das erste mal in Namibia war über den kleinen Küstenort mit dem markanten rot-weißen Leuchtturm. Aber mal ganz ehrlich wieso sollte ich zehn Stunden mit dem Flugzeug von Deutschland nach Namibia fliegen um dort dann nach fünf weiteren Stunden Autofahrt einen Ort zu besuchen der „echt wie in Deutschland“ ist? Ich bin doch im südlichen Afrika um genau nicht in Deutschland zu sein. Da bräuchte ich doch gar nicht wegfahren! Das waren meine Gedanken und als ich dann im Dezember 2015 das erste mal während einer Reise durch Namibia Swakopmund besuchte war ich sehr überrascht und das nicht negativ. Es war ganz anders als erwartet, das war auch der Grund weshalb ich im April 2017 die 43.000 Einwohner zählende Kleinstadt wieder besuchte und nun diesen persönlichen Blogeintrag schreibe.

Flachdächer die an Mexiko erinnern, sehr breite Straßen die an Teile der USA erinnern. Wenn man an einer Kreuzung die Straße runter in die südliche Richtung blickt sieht man die Sanddünen der ältesten Wüste der Welt. Wenn man die Straße nach Westen entlang blickt, sieht man den glitzernden eiskalten Atlantischen Ozean. „Echt wie in Deutschland“?! Nein absolut nicht, aber es ist die Stadt in Namibia in der man die Deutsche Kolonialzeit noch am deutlichsten sieht. Und das ist gar nicht schlecht, denn es macht sie zu einem besonderen Ort. Dem beliebtesten Urlaubsort in Namibia, auch für die Namibier selbst.

„Bismark Straße“ Ein paar der alten Straßennamen gibt es noch.

Was macht die Stadt so besonders?

Das sind mehrere Faktoren. Zum einen die Lage – Begrenzt durch Namibwüste im Süden, Atlantik im Westen und Skelettküste im Norden.

Das Klima – Regentage gibt es ganze zwei im Jahr. Da kann man schon mal den ganzen Regen eines Jahres verschlafen…

„Jetty“ – der Laufsteg reicht 300m in den kalten Südatlantik.

Der kalte Benguelastrom im Meer hält die Stadt im afrikanischen Sommer (Oktober bis März) mit durchschnittlich 20° angenehm kühl im Gegensatz zum Landesinneren.

 

Zum anderen die Architektur der Innenstadt die durch die deutsche Kolonialzeit von 1884 bis 1915 dominiert wird. Wilhelminische Giebel und Jugendstilfassaden in Afrika – das ist außergewöhnlich! Schräg gegenüber unsere Unterkunft steht die Evangelisch Lutherische Kirche, geweiht 1912 und sie sieht aus als wäre sie direkt aus einer mitteldeutschen Stadt hierher gebeamt worden. Auch dem alten Bahnhof von 1901, dem „Alten Amtsgericht“, dem Leuchtturm, dem Woermannhaus, dem Hohenzollernhaus oder der alten Kaserne sieht man sofort an, dass die Architektur aus Deutschland zur Kaiserzeit stammt. Das macht zusammen mit den Palmen und dem Sand auf der Straße ein ganz eigenen Flair.

 

Sicherheit, auch in Swakopmund schützt jeder sein Grundstück mit Stacheldraht und Alarmanlage. Im Hintergrund die schöne Evangelische Kirche von 1912.

Aktivitäten

„Alles ausgebucht tut mir leid“. „Für die nächsten drei Tage? Bei allen Anbietern???“ „Leider ja“.

Tja mir wurde die „Living Dessert Tour“ von vielen Seiten empfohlen aber wir hatten offensichtlich die Nachfrage unterschätzt. „Die meisten buchen das jetzt schon von Zuhause aus. Die Nachfrage wird größer, es kommen immer mehr Touristen“. Das war die Aussage der freundlichen Dame an der Information. Und damit hatte sie recht.

Noch vor zwei Jahren sind uns nicht einmal ein viertel so viele Touristen in Namibia begegneten wie jetzt. Aber zum Glück ist Namibia vom Massentourismusflair noch weit weg aber doch muss ich hier jetzt empfehlen solche Aktivitäten wie Wüstentouren, Heißluftballonfahrten, Fallschirmspringen oder ähnliches vorab zu buchen. Sonst steht man da wie wir…

Zum Glück gibt es noch viele andere Dinge die man hier tun kann.

Der Damaraturm am Ankerplatz eignet sich z.B. hervorragend um sich ein Überblick von der Stadt zu schaffen. Der 25 Meter hohe Turm gehört zu dem 1894 erbauten „Woermannhaus“, eines der ältesten Gebäude des Ortes. Die Sicht von der Spitze aus ist beeindruckend, da man sieht wie direkt hinter den Dächern der Stadt die Dünen der Namibwüste an den Ozean reichen.

 

Blick vom Damaraturm Richtung Süden. Die Dünen der Wüste links, der Ozean rechts.

 

Interessant und z.B. geeignet für einen ruhigen Sonntagmittag wenn fast alle Geschäfte geschlossen haben, ist das privat betriebene Swakopmund-Museum.

Das Museum ist größer als es von außen den Anschein macht und beinhaltet eine Vielfalt an Geschichte und Kultur Namibias.

„Kleiner“ Geheimtipp für die diejenigen die etwas ungewöhnliches fotografieren wollen oder sowieso die Küste nach Norden entlangfahren.

Man fährt die Küstenstraße von Swakopmund aus Richtung Skelettküste. Links sieht man die Brandung des Meeres, rechts das Ödland. Nach ca. 50 km ragt dann etwas aus dem Meer das mir als ich es das erste mal sah die Nackenhaare hat aufstellen lassen. Es war im Dezember 2015 auf dem Weg ins Damaraland. Die Küste war nebelverhangen und die Landschaft durch die fehlende Sonne grau und leblos. Plötzlich ragte wie aus einem postapokalyptischen Albtraum dieses Schiffswrack aus dem Meer. Damals hielt ich nicht an um es zu fotografieren, was mich im Nachhinein ärgerte und weshalb ich es dieses Jahr nachholte.

Extra früh um fünf aufgestanden um im Morgenlicht das Wrack des angolanischen Kutters mit dem Namen „Zeila“ zu fotografieren. Mittlerweile weist sogar ein kleines Schild an der Straße auf das Schiff hin und man hat eine ebene Fläche neben der Straße an der man das Auto abstellen kann um die wenigen Meter zum Strand zu laufen. Ich mag solche Fotomotive einfach!

 

Schiffswrack an der Küste – Die „Zeila“ 50 km nördlich von Swakopmund.

Restaurants & Cafés

Essen, gutes Essen ist wichtig. Meine Laune kann man z.B. hervorragend positiv mit gutem Essen und guten Kaffee beeinflussen.

Gute Restaurants gibt es eine Vielzahl ich werde natürlich nur über die schreiben die ich selbst besucht habe.

Mh, da stehe ich bei 32° im April in der afrikanischen Sonne, habe den salzigen Duft des Atlantik in der Nase und lese folgende Worte über mir an der Wand: „Hopfen und Malz, Gott erhalts“.

Das ist das „Swakopmund Brauhaus“, innen ist die Decke mit allen möglichen Fahnen der Welt aber vor allem Deutschlands geschmückt. So sieht man hier neben der Flagge Bremens, Hamburgs, Sachsen, Bayern, Finnland und Wales auch die Flagge von Franken und sogar Unterfranken.

Am besten ins Gespräch mit Einheimischen kommt man wenn man sich an die Bar setzt. Gegessen werden hier typisch deutsche Gerichte zu denen hier hauptsächlich nach deutschem Reinheitsgebot gebrautes Bier getrunken wird. Es gibt aber auch eine riesige Weinkarte, was aber die Touristen aus Südafrika, die neben den Deutschen den größten Touristenanteil ausmachen wenig interessiert. Die Südafrikaner trinken hier vor allem 2 Liter fassende Biergläser in Stiefelform. Das wird in ihrem Reiseführer als „typisch deutsch“ angepriesen. Sorry Jungs aber bei uns gibt’s maximal „nur“ Maßbier. Bei zwei Liter wird das Bier ja auch schal bevor es getrunken ist…

Fahnen und Bier – Swakopmund Brauhaus

 

Sushi in Namibia? Warum nicht, ich glaube sogar es war das beste Sushi das ich überhaupt gegessen habe. Das „Ocean Cellar“ gehört zwar zu einem Hotel aber das stört weiter nicht. Der Fisch, die Meeresfrüchte und das Sushi sind erstklassig. Daneben hat man von der Terrasse einen sehr guten Ausblick auf den kleinen Strand wo sich wagemutige in den verschiedensten Altersklassen – in die meist nicht wärmer als 18 – 20° „warme“ See stürzten.

 

So völlig anderes als der Rest des Landes. Im Schatten eines Sonnenschirmes des „Ocean Cellar“ auf das Sushi warten.

Kaffee, Kaffee, Kaffee

Ich mag guten Kaffee. Kein Filter- oder Instantkaffee sondern das wirklich gute Zeug aus den z.B. italienischen Maschinen.

Wer es etwas skurriler haben möchte geht insCafe Anton“. Das Cafe im „Schweizer Haus“ hat eine schöne Terrasse mit Blick auf den Leuchtturm. Skurril ist es weil es komplett im deutschen 70er Jahresstil eingerichtet ist und es dort Schwarzwälder Kirschtorte und Frankfurter Kranz gibt. Das empfand ich als jemand der Namibia vor allem aus dem Busch / Wildnis kennt doch als sehr verwirrenden, aber das ist nun mal Swakopmund.

Bunt, afrikanisch, lebensfroh und herrlich unkompliziert, dazu riesige Frühstücksbrote, das ist das „Village Cafe“. Der bunte Innenhof mit dem alten VW Bulli ist ein echter Wohlfühlort. Kann man nur empfehlen.

Der Geruch von frisch geröstetem und gemahlenen Kaffee weht auf die Straße vor das Café „Slowtown“. Das neue und modern eingerichtete Kaffee könnte auch locker in einem Szeneviertel in Hamburg, Wien oder Berlin stehen. Es ist gemütlich, hell und hier wird der Kaffee selbst geröstet und gemahlen. Von der Terrasse aus hat man auch hier einen schönen Blick auf den Leuchtturm. Die Kuchen sind der Hammer und ich kenne nur ein einziges Café in Deutschland das besseren Kuchen macht. Ich bin begeistert von diesem neuen und stylischen Café, mein klarer Favorit.

Kaffeegenuss vor Ort, frisch gerösteter Kaffee für Daheim oder ein Muffin? Slowtown hat es – in bester Qualität.

Und sonst so – Warum wieder Swakopmund?

Was macht ein Ort zu einem Ort den man wieder besuchen möchte? Sind es in Swakopmund die vielen Läden? Safariausrüstung, Buchläden (unter anderem das älteste Namibias von 1910) und viele Souvenirläden gibt es ja. Ist es die Architektur? Die besondere Lage?

Für mich macht einen besonderen Ort auch einen Ort aus an dem Menschen leben die ich wieder sehen/besuchen möchte. In diesem Fall ist es ein Künstler den wir bereits 2015 kennengelernt habe. Ein Baumeister und kreativer Schmuckkünstler. Jemand der seit über 30 Jahren im Atlantik surft und auf einer Farm in der Wüste lebt. Karsten heißt er und hat einen kleine Schmuckladen mit dem Namen „Smallworld“ am Ankerplatz.

Den wahrscheinlich schönsten Schmuck des Planeten gibt es hier – Smallworld

Hier verkauft er aufwändig gestaltete Ketten, Armbänder und andere Kunstwerke. Seine Materialien sind Halbedelsteinen z.B. aus der Namibwüste und dem Brandbergmassiv, Leder, Metall und viele andere Materialien. Alles ist ein Unikat und ich bin begeistert von seinen Arbeiten. Mittlerweile trage ich drei seiner Armbänder und ich würde wohl noch mehr tragen wenn ich es mir leisten könnte 😉

Ja, das ist meine Hand im Sonnenuntergang…

Wir hatten die Ehre wiederholt bei ihm Zuhause eingeladen worden zu sein. Außerhalb von Swakopmund ist ein kleines kreatives Paradies scheinbar mitten in der Wüste. Eine Farm mit vielen Flachdächern und Terrassen, liebevoll gestaltet und völlig unvergleichbar mit irgendetwas das ich zuvor gesehen habe. Es ist ein Genuss dort mit Kaffee oder beim Grillen zu sitzen und den Sonnenuntergang zu erleben. Die letzten Sonnenstrahlen lassen die Wüste erst honiggelb und dann immer roter erstrahlen während die Schatten länger und tiefer werden.

Auf Karstens neuster Terasse mit Blick auf die Halfpipe. Traumhaft.

Vor zwei Jahren waren hier zur gleichen Zeit wie wir Skateprofis aus den USA, Kanada, Deutschland und Indien. Der Grund? Karsten hat für seinen Sohn mitten zwischen den Felsen eine Halfpipe gebaut. Eine Halfpipe mitten in der afrikanischen Wüste – das muss man erlebt haben und als Profi sowieso.

Karsten hat Pläne für seine Farm, Übernachtungsmöglichkeiten und ein Café, evtl. in eins bis zwei Jahren. Ich hoffe sehr, dass er diese Pläne umsetzt, ich könnte mir keinen besseren Ort für meine zukünftigen Aufenthalte vorstellen.

100 % Catperson 🙂

Harnas Wildlife Foundation 2017 – Mein Überblick

Tracking in der Wildline

Motorboot – sie hören sich an wie ein kleines Motorboot. Ob das stimmt oder nicht ist mir egal, ich mag den Vergleich. Stetiges tiefes Brummen, nicht zu tief aber doch sehr basslastig. Die Sonne steht knapp über dem Horizont und wirft lange Schatten über das riesige Gehege das natürlich belassenes Buschland ist.
Um mich herum der Ursprung des Geräusches der kleinen Motorboote, fünf Geparden. Schlanke, langbeinige Katzen deren Fell viele schwarze Punkte aufweisen. Die Punkteanzahl und Anordnung unterscheidet sich von Gepard zu Gepard, es ist wie ein Fingerabdruck.

Ich bin wie jeden Tag hier, entweder wie heute zu zweit mit einer anderen Volontärin oder allein. Allein ist normalerweise nicht erlaubt – Sicherheitsgründe. Aber es ist mein dritter Aufenthalt auf der Wildtierauffangstation; ich weiß wie man sich richtig verhält und bewege mich entspannt und selbstsicher zwischen ihnen. Als Waisen sind sie von klein auf hier und das erste Mal als ich sie gesehen habe gingen sie mir bis zum Knie, jetzt bis zur Hüfte. Doch wo hat man die Möglichkeit solchen Tieren so nahe zu kommen, auf eine gute und positive Weise?

In einer Reihe – die fünf Geparden und ich

„Harnas“ ist afrikaans und bedeutet soviel wie Rüstung/Schutz. Seinen Ursprung hat Harnas – die Wildtierauffangstation in Namibia im Jahre 1978 als die Gründerin Marieta van der Merwe eine misshandelte Meerkatze von Wilderern abkaufte. Doch seitdem hat sich viel getan und Harnas ist gewachsen.

Mittlerweile leben auf der ehemaligen Rinderfarm mit knapp 10 000 Hektar Buschland eine Vielzahl von Tieren. Darunter z.B. Löwen, Leoparden (meine Lieblinge), Geparden, Karakale, Meerkatzen, Paviane (nicht meine Lieblinge), Afrikanische Wildhunde (Hyänenhunde), Mungos, Springböcke, Impalas, Zebras, Elands, Gnus, Strauße, Geier, Warzenschweine, Erdmännchen, etc.

Der Schwerpunkt liegt bei verwaisten, missbrauchten, verletzten und gefangen gehaltenen Wildtieren aus Namibia. Und diese wollen versorgt und gepflegt werden, was Zeit und Geld kostet; perfekt für ein Volontärprogramm. Mit dem Volontärprogramm wird unter anderem die Versorgung der Tiere finanziert und bietet unglaubliche Erfahrungsmöglichkeiten.

ABER „Harnas is not for pussies“! Als Volontär verbringt man nicht seine ganze Zeit damit Tiere zu streicheln sondern zu arbeiten und das unter der starken afrikanischen Sonne. Und zwar jeden Tag (ohne Wochenende) während des Aufenthalts der zwischen 2 Wochen und 3 Monaten lang sein kann. Die Arbeit ist körperlich anstrengend, auch wenn sie bei weitem nicht so anstrengend ist wie die Arbeit auf der Nashorn-Auffangstation in Südafrika auf der ich im Januar / Februar 2017 gearbeitet habe (Link zum Beitrag – Nashorn-Auffangstation).
Was man nie vergessen sollte ist, dass man mit Wildtieren arbeitet! Respekt und gesunder Menschenverstand ist gefragt und auch Überwindung gehört dazu. Das Fleisch für die Raubtiere fällt nicht vom Himmel und muss u.a. zugeschnitten werden. Meist Eselfleisch wird verfüttert da es fettarm, nicht zu teuer und durch die Farmer in der Umgebung meist zuverlässig zu Verfügung steht. Es wird alles verwertet was verwertet werden kann, Wildhunde lieben z.B. jede Art von Innereien.

Wer ein realitätsfremder, verstrahlter Träumer ist der unter anderem Dinge denkt wie, „Katzen kann man vegetarisch ernähren“ (Das ist so wie als wollte man Kühe mit Fleisch ernähren!!!) und sich unter einer Wildtierauffangstation so etwas wie ein „Blümchen-Ponyhof“ vorgestellt hat, sollte lieber nicht als Volontär nach Harnas kommen.

Löwe – „Trust“

Doch wie sieht denn grob der Tagesablauf auf Harnas aus?

06:30
Löwenbrüllen – Aufstehen, untergebracht im „Volunteersvillage“, eine Anzahl von Hütten in denen vier Personen schlafen. Toiletten und Duschen für alle zentral in der Mitte des Villages.

07:00
Frühstück im „Gemeinschaftshaus“ im Village. Im Anschluss zur ca. 1,5 km entfernten Hauptfarm laufen.

08:00
„Treemeeting“ Einteilung der Gruppen und Volontäre in die Tätigkeiten.
z.B. Futter zubereiten, Gehege reinigen, AM Tour, kümmern um verschiedene Tiere, Research in der Wildline, Farmwork – Gehege bauen / reparieren, Spurenlesen, Walks mit verschiedenen Tieren, etc.

12:30
Mittagessen im Volunteersvillage, Pause

15:00
„Treemeeting“ auf der Farm mit erneutem Einteilen der Volontäre in die Tätigkeiten

19:00
Abendessen im Volunteersvillage, Freizeit
Wie man sieht ist der Tag gut ausgefüllt. Für mich war es diesmal etwas anders, da ich nicht als „normaler“ Volontär gearbeitet habe, sondern als Fotograf. Ändert aber nichts an dem Tagesablauf.

Mein letztes Bild von „Bacon“ dem Warzenschweinkeiler. Das Volontärdorf war sein Revier.

Änderungen zu 2015:

Zum Schluss möchte ich für alle die bereits auf Harnas waren ein paar Änderungen aufzählen. Dinge die sich seit meinem letzten Aufenthalt 2015 geändert haben.

Das Essen war teilweise sehr gut. Zu mindestens die ersten zwei Wochen meines jetzigen Aufenthalts. Danach wurde es wirklich schlecht, ähnlich wie 2015. Ständig Pasta, ständig Hackfleischsoße, wenig Abwechslung.

Die Duschen und WCs sind weitaus sauberer und werden täglich kontrolliert.

Von allen Koordinatoren aus dem Jahr 2015 sind leider nur noch Tyla und Bonnita da.

Weniger Volontäre, meist zwischen 20 und 30 Personen. Kaum Skandinavier mehr, 2015 haben sie noch ca. 60% ausgemacht, jetzt sind mittlerweile 85% (leider) deutschsprachig (war ein Schock für mich nach meiner Zeit in Südafrika).

Lapanight ist leider nicht mehr in der Boma auf der Farm sondern im Village. Kein Amarulasong und Tanz mehr, allgemein bei weitem nicht mehr so stimmungsvoll wie 2015.

Atheno ist wieder in seinem alten großen Gehege.

Leopardin Missy Joe hat mit Karakal Bonnie ( <3 ) und Juliette das Gehege getauscht.

Von allen alten Erdmännchen lebt nur noch Hänsel.

Berta, Mimi und Micky sind mit ca. 6 anderen Pferden in einem großen Gehege neben den Straußen

Die „wilden 23“ sind jetzt noch 21.

„Bacon“ ist leider tot. (Mitte April)

Das von handaufgezogene und mit „Derek“ dem Kudu aufgewachsene Eland „Moose“, streift mit einer wilden Elandherde durch die Gamearea und besucht ab und zu das Volunteersvillage.

Eland „Moose“ im Volunteersvillage

Schlusswort: Wer nach Afrika geht um auf einer Wildtierauffangstation zu arbeiten sollte sich fragen warum er das tun möchte. Willst du mit Tieren ARBEITEN und Erfahrungen mit TIEREN sammeln, willst du Tieren helfen? ODER willst du eigentlich nur weit weg von daheim feiern und möglichst spektakuläre Selfies machen? Wenn du zur zweiten Kategorie gehörst dann bleib der Volontärarbeit in Afrika bitte fern und mach lieber einen „Partyurlaub“ auf irgendeiner spanischen Insel…

Die „Deutsche Einstellung“ und der Leopard

Leopard „Hellboy“

Seit drei Wochen bin ich nun in Namibia. Das Land, in dem vor über zwei Jahren eine Veränderung in mir begonnen hat, die auch noch immer stattfindet.
Ich bin noch nicht dazu gekommen zu schreiben, was bis jetzt passiert ist, was ich bis jetzt erlebt habe, was sich verändert hat oder wie ich mich fühle. Meine Prioritäten lagen woanders.
Doch heute will ich etwas schreiben, etwas das schon drei Wochen zurückliegt und das für mich eine wichtige Erkenntnis war.

Nach vier Wochen südafrikanischen Busch kam ich mit einer kleinen Maschine von Nelspruit in Johannesburg an. Vier Wochen hatte ich mit Menschen aus aller Welt auf der Nashorn-Auffangstation zusammengearbeitet.
Südafrikaner, Australier, US Amerikaner, Engländer, Israelis, Iren, Brasilianer, Schweden usw.
Meine Ohren waren also völlig auf die englische Sprache in ihren verschiedensten Dialekten eingestellt. Ich stieg aus dem Flugzeug und ging durch den Flughafen von „Joburg“ mit einer Liste von Dingen in meinem Kopf die ich besorgen wollte.
Kleine praktische Dinge wie ein neues Tagebuch, Sonnencreme, eins zwei Souvenirs, eine neue Kappy usw.

Plötzlich hörte ich es, vertraut und doch fremd – die deutsche Sprache. Ich war etwas durcheinander, ich wollte gleich zu der Gruppe ältere Damen und ebenfalls mit ihnen sprechen einfach nur um, wieder deutsch zu sprechen.
Endlich Dinge ausführlicher und genauer beschreiben zu können, als ich es mit meinen mittelmäßigen Englischkenntnissen konnte.
Doch ich entschied mich anderes ich wollte hören. Also ging ich durch den weitläufigen Flughafen, die Läden, die Restaurants und ich hörte den „Deutschen“ zu.

Es war ein Schock. Es waren viele deutschsprachige, manche kamen aus dem Urlaub und waren auf dem Weg nach Hause, anderen stand der Urlaub noch bevor, wieder andere waren sicher nur auf der Durchreise.
Doch so gut wie alle hatten etwas gemeinsam – sie beschwerten sich, sie meckerten, sie waren unzufrieden, sie waren gestresst.
All diese Leute in ihren sauberen Klamotten (Ich kam mir hier in meinen oliv und khakifarbigen Sachen aus dem der Dreck nur notdürftig gewaschen war wie aus einer anderen Welt vor).
Sie waren dabei in den Urlaub zu gehen oder kamen aus ihm und beschwerten sich darüber das, dass Flugzeugessen nicht gut genug war, das nach ihrer Meinung das Business-Class nicht luxuriös genug war, das hier der Kaffee zu teuer ist, das in dies und jenes nicht gefällt oder das zu viele Leute hier kein deutsch verstehen würden.

Ich war entsetzt und schämte mich teilweise für diese Leute. So sprach z. B. ein deutsches Paar um die fünfzig – völlig selbstverständlich die Kellner in Deutsch an. Ich erinnere daran, ich befand mich in Südafrika – Johannesburg.
Und als die Kellnerin in Englisch antwortet das sie ihn nicht verstehe antwortet er nur patzig „ist ja typisch“…

Typisch scheint zu sein, Negativ zu sein, in einem Land, dem es so viel besser geht, als es sich viel vorstellen können. Selbstverständlichkeit, Arroganz, Neid, Unfreundlichkeit, Undankbarkeit und ständige negative Sicht auf die Dinge.

In diesem Moment am Flughafen wollte ich am liebsten unentdeckt, wie ein Leopard zwischen dem hohen Gras verschwinden um diese Peinlichkeiten nicht anhören zu müssen.
Ich erledigte meine Einkäufe und war dabei sehr freundlich, wünschte allen Verkäuferinnen einen schöne Woche, Monat, oder Restjahr. Ich hatte das Bedürfnis genau das Gegenteil zu diesem Rudel von negativen „Meckerer“ zu sein.

Observe a giraffe – South Africa

Ich weiß das nicht alle „Deutschen“ so sind, man kann niemals die Bevölkerung eines Landes über einen Kamm scheren. Aber mit diesem Blick, mit diesem Abstand, von „Außen“ hat mir gezeigt, was falsch läuft in unserem Land. Die negative Grundeinstellung.
Nachdem ich noch ein kleines Abenteuer in Johannesburg erlebt habe das locker für ein eigenen Blogeintrag reicht, bin ich nun wieder seit drei Wochen in meinem „second home“ – HARNAS die Wildtierauffangstation in Namibia. Vieles hat sich verändert, einiges ist noch gleich. Ich werde darüber schreiben wenn, ich wieder Zeit habe.

Mein Motto zu Thema: Lieber der ruhige, unabhängige und einzelne Leopard sein als Teil eines lauten, stinkenden, übellaunigen Hyänenhunde-Rudels. 😉

Bild Leopard: „Hellboy“ was für ein unberechenbarer Prachtkerl!
Bild Giraffe und ich: Aufnahme von Tom in Südafrika

Der Krieg um die letzten Nashörner und mein Kampf mit der englischen Sprache

Kleines verwaistes Breitmaulnashorn

Es ist angenehm heute Morgen um 06:30. In etwa 23 Grad, die Sonne steht noch tief und hat noch nicht alle Teile des Tales erreicht in das ich so eben laufe.

Dieser Tag wird noch heiß, sowie wie die letzten Wochen wird es bereit um elf Uhr über 33 Grad sein. Dazu kommt die hohe Luftfeuchtigkeit, die einen bei der körperlichen Arbeit regelrecht zerlaufen lässt.
Die Hügel um mich sind stark bewachsen, einzelne große Felsen in braunrot stechen aus dem saftigen Grün heraus.
Die Luft ist noch frisch und von Vogellauten und Insektensurren erfüllt. Seit 05:30 bin ich auf den Beinen, geweckt von Löwengebrüll das durch die offene Tür und Fenster deutlich hörbar ist.
Meine Unterkunft ist eine löchrige Hütte aus dünnem Holz an dem Hang eines Hügels der wie die komplette Umgebung mit saftige grünen bewachsen ist. Amarula- und Mangobäume gehören dazu, ich fühle mich wie in einem Naturparadies.

Den Raum der meine Unterkunft darstellt, ist ca. 10 Quadratmeter groß und ich teile ihn genauso wie das kleine Badezimmer (ohne Spiegel) mit drei anderen Mitbewohnern. Dabei handelt es sich in den ersten 2 Wochen um drei Mädels (Schweden, Südafrika, USA).
Die junge Amerikanerin geht mir nach 2 Wochen so sehr auf die Nerven, das ich die Hütte wechsele und bei den „Älteren“ einziehe.

Die Tage sind gut ausgefüllt und neben den beobachten des Verhalten der Tiere, Füttern und ausmisten fallen immer wieder unterschiedliche Zusatztaufgaben an. So müssen z. B. gefällte Mangobäume wegtransportiert werden. Was einen nicht nur durch die körperliche Arbeit zum stark Schwitzen bringt, sondern auch die Tatsache das die eine oder andere Spinne in Untertellergröße „Hallo“ sagt. Schlangen sehe ich in vier Wochen nur drei, dafür einige Skorpione (Immer schön unter die Sitzkissen schauen BEVOR man sich hinsetzt) und häufig Tausendfüßler, Baboonspiders und andere große Insekten. Man gewöhnt sich dran…

Der Blick über die Landschaft ist atemberaubend. Blick von der Scheune ins Tal.

Die erste Woche war hart, die starke Temperaturumstellung, der „Kulturschock“ und vor allem die Sprache hat mich gefordert. So bin ich in der Gruppe der Volontäre der einzige deutschsprachige. Die meisten der andern 8 -16 Freiwilligen kommen aus den USA, UK oder Australien und somit „Muttersprachler“. Dazu kommt noch, dass jeder einen anderen Dialekt spricht. Südafrikanisch, Südaustralisch, Israelisch, US Westküste, US mittlerer Westen, Oxford, skandinavisch, Westaustralisch, Irisch… Jeder spricht die Worte anders aus und so bin ich in der ersten Woche mit meinen mittelmäßigen Englischkenntnissen damit beschäftigt überhaupt etwas zu verstehen. Von Woche zu Woche wurde es einfacher für mich und jetzt im Nachhinein denke ich, etwas Besseres hätte mir wohl nicht passieren können.
Doch wieso sind all diese Leute hier? Als Freiwillige im afrikanischen Busch, wo das Wasser aus der Leitung auch mal rotbraun sein kann. Der Strom nicht selbstverständlich ist und Zecken sowie Moskitos einen Alle möglichen Krankheiten geben möchten?

6 Liter in unter 3 Minuten, für die kleine Sibeva kein Problem 🙂

Es sind Studenten, Geschäfts-Manager, Hausfrauen, angehende Tierärzte, Anwälte und ehemalige Soldaten aller möglichen Nationen. Und sie alle wollen ihren Beitrag zur Erhaltung einer Tierart leisten die kurz vor der Ausrottung steht. Dem Nashorn, alle Nashornarten stehen kurz davor nicht mehr zu existieren obwohl sie bereits seit 50 Millionen Jahren diesen Planeten bewohnen. Aber wieso stehen sie eigentlich kurz vor dem Aussterben?

Die Antwort ist recht simpel und traurig – „Rhino – War“

Es geht darum zu verhindern das die noch verbliebenen Nashornarten aussterben. Der Preis für das Horn das Nashorn per Gramm in Asien ist momentan über den von Kokain, Gold oder Diamanten. Und das alles nur wegen solch beschränkten fernöstlichen Irrglauben wie z. B. das es die potenzsteigernd ist. Auch wird es als Statussymbol in China gehandelt. Die Wilderei hat solche überhand genommen das die Wilderer mit Nachtsichtgeräten, hoch modernen vollautomatischen Gewehren und Schalldämpfern ausgestattet sind. Selbst Hubschrauberpiloten die zur Kontrolle die Gebiete abfliegen tragen mittlerweile Schusssicherewesten da bereits Piloten von Wilderen vom Boden aus erschossen wurden.

Gerade mal 1 Jahr alt und schon an die 350 kg

Doch was tun die Wilderer eigentlich?
Die Nashörner werde erschossen oder angeschossen um dann die Hörner aus dem Gesicht gehackt oder gesägt zu bekommen. Wenn es sich um eine Nashornmutter mit Kalb handelt, wird das Baby ignoriert, da es noch kein Horn hat. Versucht es seiner Mutter zu helfen so wird es von Wilderern mit Macheten oder mittels Gewehr vertrieben. Hier auf der Wildtierauffangstation für Nashornwaisen haben wir z. B. Nashornbabys mit Narben am Kopf die von Macheten stammen. Eines hatte eine faustgroße Schussverletzung an der Schulter, die aber durch guter Behandlung mittlerweile verheilt ist.
Sobald die Wilderer dann mit dem Horn abgezogen sind bleibt das Kleine verletzt zurück. Der Geruch lockt dann natürlich Raubtiere an und dem Nashornbaby steht eine extrem heftige Zeit bevor, wenn es nicht zeitnah von Rangern, Soldaten oder anderen Patrouillen entdeckt wird.

Also man sieht die Wilderer schrecken vor nichts zurück. Dementsprechend ist das ca. 46 000 Hektar große Gebiet, in dem sich die Auffangstation befindet auch abgesichert. Mehrere elektrische Zäune, Wachen, Patrouillen zu Fuß, Patrouillen zu Pferd, Patrouillen mit belgischen Schäferhunden etc.
Und mitten drin eine kleine Anzahl Volontäre aus aller Welt die sich mit Fachpersonal um die Nashornwaisen und andere Tiere kümmern.

Was für ein Ort, was für eine Zeit.